Text: Dipl.-Wirtsch.-In. (FH) Daniel Assmann; Institut für
         Distributions- und Handellogistik; Dortmund

 

Beauftragt ein Produzent einen Logistikdienstleister damit, seine Ware termingerecht bei seinem Kunden anzuliefern, steht der Sachverhalt der Unversehrtheit der Güter bei der Zustellung nicht zur Debatte, sondern wird vorausgesetzt. Um dies zu gewährleisten, muss man viele Faktoren berücksichtigen, angefangen bei der adäquaten Verpackung durch den Produzenten bis hin zum Güterhandling bei der Be- und Entladung. Hinzu kommen noch die nicht zu unterschätzenden Belastungen während des Transportes durch die wirkenden Kräfte. Ob beim Beschleunigen, Bremsen oder in den Kurven, auf das Ladegut wirken hierbei beachtliche Kräfte, wie in Abbildung 1 veranschaulicht wird.Dabei ist zwar eine geeignete Transportverpackung die Grundvoraussetzung, um den äußeren Einflüssen während eines Transportes standzuhalten, jedoch ist auch die durchdachteste und belastungsfähigste Verpackung zwecklos, wenn bei der Verladung die Ladungsbildung, Lastverteilung und Ladungssicherung nicht in angemessenem Umfang berücksichtigt werden. Unter einem erhöhten Zeit- und Leistungsdruck, dem die Verlader und Fahrer vermehrt ausgesetzt werden, sinkt regelmäßig die Sorgfalt bei der Verladung. Dabei wird nicht nur häufig verfügbare Ladefläche – die in Anbetracht der Entwicklung des Güterverkehrsaufkommens kostbar ist – verschenkt, vielmehr wird die Ware vielfach ohne Berücksichtigung eines Lastverteilplans des Fahrzeuges, ohne die Betrachtung der spezifischen Eigenschaften des Ladegutes und ohne eine angemessene Dimensionierung der Ladungssicherung verladen. Teilweise wird die Ladungssicherung sogar bewusst ignoriert, weil keine geeigneten Zurrmittel vorhanden sind. In anderen Fällen orientiert sich das verladende Personal an Erfahrungswerten, wobei nicht selten von falschen Voraussetzungen ausgegangen wird. Faustregeln wie „Das ist so schwer, das kann gar nicht rutschen!“ sind keine Seltenheit. Besonders unter Berücksichtigung der umfangreichen Ausbildung, die ein Berufskraftfahrer durchläuft, ist derartigen Aussagen mit Unverständnis entgegenzutreten. Denn nicht zuletzt wegen der hohen Ausbildungsansprüche wird der Beruf des Kraftfahrers zunehmend unattraktiver für junge Leute. [2] So haben im Jahr 2011 ca. 40 % der Auszubildenden zum Berufskraftfahrer die Ausbildung innerhalb des ersten Jahres wieder abgebrochen. [3] Dennoch ist eine fehlende oder mangelnde Sicherung am Ladegut nicht nur dem Auftraggeber gegenüber unvertretbar, sondern vor allem auch allen anderen Teilnehmern am Straßenverkehr. Die Sicherheit darf dem Zeit- und Termindruck der Spediteure nicht zum Opfer fallen.

Die Durchführung einer adäquaten Ladungssicherung unter Berücksichtigung der ladungs- und fahrzeugspezifischen Daten stellt in der Tat hohe Anforderungen an das Personal. Sie nimmt zudem relativ viel Zeit in Anspruch, die den zuständigen Mitarbeitern in der Regel jedoch nicht zur Verfügung gestellt wird. Zu erwarten, dass der Verlader an der Laderampe umfangreiche Berechnungen unter Berücksichtigung von Reibbeiwerten, den physikalischen Anforderungen – auch hier siehe Abbildung 1 – und dem Lastverteilplan des Fahrzeuges durchführt, ist im höchsten Maße unrealistisch. Dass eine Unterstützung des verladenden Personals an dieser Stelle unerlässlich ist, liegt auf der Hand. Bisweilen hat der Verlader die Möglichkeit, sich an Schiebe- und Berechnungskarten zu orientieren, wie sie in Abbildung 2 dargestellt sind.

Diese liefern jedoch lediglich überschlägige Werte. Die spezifischen Eigenschaften des Fahrzeuges und des Ladegutes bleiben dabei zum größten Teil unberücksichtigt. Etwas genauere Werte liefern Berechnungsprogramme zur Ladungssicherung. Die Problematik ergibt sich jedoch hierbei dadurch, dass die Programme lediglich dem Spediteur in der Disposition zur Verfügung stehen, nicht jedoch dem Fahrer vor Ort. Um dem Fahrer vorab Informationen über die Ladungssicherung und die effizienteste Anordnung der Güter auf der Ladefläche zu geben, müsste die Disposition die relevanten Daten bereits bei der Tourenplanung zur Verfügung haben. Diese jedoch erfährt der Fahrer meist erst vor Ort. Gerade im Stückgutbereich, der durch eine Vielzahl von Zu-, Ab- und Beladungen geprägt ist, ergeben sich neben der Frage der richtigen Ladungssicherung starke Einschränkungen in der volumenbezogenen Auslastung der Fahrzeuge, wenn die Ware ohne eine optimierte Lastverteilung auf das Fahrzeug geladen wird.

Es ist daher unumgänglich, neue Konzepte auszuarbeiten, die durch die Integration technischer Innovationen in eine Transportkette dem Mangel an Zeit und Wissen entgegenwirken. In vielen Bereichen haben sich Fahrerassistenzsysteme als sinnvolles Hilfsmittel bewährt. Betrachtet man die Entwicklung der Zahl der Getöteten und Schwerverletzten bei Lkw-Unfällen im Vergleich zum steigenden Güterverkehrsaufkommen, ist eine stark sinkende Tendenz auszumachen. So ist seit 1992 das Güterverkehrsaufkommen, wie bereits genannt, um ca. 82 % gestiegen, die Zahl der Getöteten durch Lkw-Unfälle ist jedoch im gleichen Zeitraum um über 52 % gesunken (siehe Abbildung 3). [5]

Dies ist nicht zuletzt ein Verdienst des technischen Fortschritts, sei es die Verhinderung von Auffahrunfällen durch eine Abstandsregelung via „Adaptive Cruise Control“ (ACC), das Unterbinden eines ungewollten Spurwechsels durch ein „Lane Guard System“ (LGS) oder der Schutz vor dem Kippen durch ein „Elektronisches Stabilitätsprogramm“ (ESP). [4] Dies alles sind Beispiele dafür, wie die Technik im Einklang mit dem Menschen  Erfolge erzielt. Dies ist auch der Ansatzpunkt, den es im Bereich Ladungssicherung und Lastverteilung zu verfolgen gilt.

Zielsetzung ist es daher, bestehende Technologien wie beispielsweise Telematiksys-teme zu nutzen, um den Fahrer bei der Ladungsbildung  und Ladungssicherung  zu unterstützen. Die Grundvoraussetzung ist dabei, dass die relevanten Daten über das zu transportierende Ladegut – beispielsweise aus den ERP-Systemen oder den Logistiksys-temen der Unternehmen – zur Verfügung stehen. Liegen diese frühzeitig vor, können sie vom Disponenten genutzt werden, um eine angemessene Fahrzeugauswahl zu treffen und ggf. vorab ein Schema zur Lastverteilung und Ladungssicherung zu erstellen. Vor allem kann so sichergestellt werden, dass der Fahrer das notwendige Equipment zur Ladungssicherung mitführt. Hindernisse wie mangelnde Ausrüstung oder ungeeignete Aufbauten – d. h. fehlende oder falsch positionierte Fixierpunkte – stehen so einer adäquaten und vor allem einer zeitlich und volumenorientierten produktiven Ladungssicherung nicht mehr im Wege.

Das Institut für Distributions- und Handelslogistik des VVL e.V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, die wissenschaftlichen Grundlagen für die Nutzbarkeit der ladungssicherungsspezifischen Daten durch integrierte Informationssysteme zu erarbeiten, um eine frühzeitige Planung der Ladungssicherung, -verteilung und -bildung zu ermöglichen. Im Rahmen des Forschungsprojektes sollen die informationstechnischen sowie prozessbedingten Rahmenbedingungen ausgearbeitet werden, auf deren Basis Transportdienstleister zukünftig Transporte ökologisch effizienter und sicherer gestalten können. Durch einen elektronischen Ladungssicherungsassistenten sollen nicht nur durch telematikbasierte Echtzeitdaten Defizite bei der Ladungssicherung erkannt, sondern auch die Bestimmung der optimalen Ladungsanordnung unter Berücksichtigung der Tourpositionen vereinfacht werden.

Das IGF-Vorhaben 17530 N/1 des IDH – finanziert über die Forschungsvereinigung Gesellschaft für Verkehrsbetriebswirtschaft und Logistik e. V., Wiesenweg 2, 93352 Rohr, wird im Rahmen des Programms zur Förderung der industriellen Gemeinschaftsforschung (IGF) vom Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie über die AiF aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages gefördert. Für weitergehende Fragen zu den Projektinhalten steht das IDH des VVL e. V. jederzeit zur Verfügung.

 

Quellen

  1. Ratzenberger, Ralf: „Gleitende Mittelfristprognose für den Güter- und Personenverkehr - Mittelfristprognose Winter 2012/13“. URL: http://www.bag.bund.de/cae/servlet/contentblob/18680/publicationFile/ . 2013, Stand 05.04.2013
  2. Berg, Claus C.; Vukovic, Denis: „Technische Entwicklung von Kurier-, Express und Postdiensten – Einsatz von Telematiksystemen zur Steigerung der Leistungspotenziale in der Transportwirtschaft“. In: GVB – Jahrbuch 2013 für Kurier-, Express und Postdienste. GVB Verlags- und Verwaltungsgesellschaft UG (haftungsbeschränkt). München, 2013. S. 67-80.
  3. DIE WELT: „LKW-Fahrer: Warum niemand mehr auf den Bock will - Nachrichten Wirtschaft“. URL: http://www.welt.de/wirtschaft/article110494105/Warum-niemand-mehr-auf-den-Bock-will.html. 2012, Stand 26.03.2013
  4. Vukovic, Denis: „Zukunftsfähiger Straßengüterverkehr“. In: PackReport. 45. Jahrgang. Heft 11/2012. Frankfurt, 2012. S. 50-52
  5. Jansen, Rolf; Vukovic, Denis: „Telematikfunktionalitäten als Basis zur Erschließung weitreichender Sicherheits- und Kapazitätspotenziale im Straßengüterverkehr“. In: Jahrbuch Logistik 2013. Wolf-Kluthausen, Hanne (Hg.) Dortmund, 2013. S. 208-212
  6. Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung (BGL) e. V.: „Jahresbericht 2011/2012“. URL: http://www.bgl-ev.de/images/downloads/ueber/jahresbericht/bgl-jahresbericht.pdf. 2012. Stand 26.03.2013

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