Jeder kennt die Fotos von gigantischen Müllinseln, die auf den Weltmeeren treiben. Das weltweite Abfallaufkommen ist enorm. 59,14 Mio. t – so groß war es 2016 nach Angaben des Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus allein in Österreich.  Im Vergleich zu 2009 bedeutete dies eine Steigerung von rund 9,6 %. Eine ungeheure Menge, die sich aus vielen einzelnen Komponenten, wie Siedlungsabfällen, Elektro- und Elektronikgeräten, Bau- und Abbruchschrott etc., zusammensetzt. Ein Teil wird natürlich auch von Verpackungsabfällen verursacht: 2016 waren dies 1,3 Mio. t im Haushalts- und Gewerbebereich, also rund 2 % der gesamten Abfallmenge.
 
Recycling – Österreich als Spitzenreiter. Was passiert nun mit dieser riesigen Menge Abfall? Wohin kommen die Reste dessen, was wir Tag für Tag in die Tonne werfen?  Etwa 10% der Abfälle werden deponiert, 15% verbrannt, 3% entfallen auf den Bereich Verfüllung und 7% werden anderweitig aufbereitet. Der Großteil jedoch, nämlich 65% wird recycelt und wiederverwertet.*) Recycling bedeutet die Aufbereitung und Wiederverwendung von Rohstoffen.
Ein Großteil der Österreicherinnen und Österreicher gibt an, die Bestandteile ihres Hausmülls getrennt zu entsorgen. Die Werte variieren je nach Art des Abfalls und liegen zwischen 99,1 % bei Altpapier und 84,9 % bei Biomüll (siehe Abfalltrennung, Statistik Austria, Mikrozensus, Q3/2015, erstellt am 17.07.2017). Die Motivation zur Abfalltrennung ist groß: Im europaweiten Vergleich liegt Österreich damit auf Platz zwei hinter Deutschland. Doch Recycling ist nicht gleich Recycling, wie ein Blick hinter die Kulissen zeigt.
 
Müll als Ressource. Das ist gut. Aber nur richtig recycelt können Rohstoffe wiederverwendet und neuen Zwecken zugeführt werden. Fehlwürfe, wie zum Beispiel Hausmüll, der fälschlicherweise mit Kunststoffverpackungen recycelt wird, sind jedoch wertlos. In den Müllsortieranlagen können sie nicht verarbeitet werden und werden daher aussortiert und verbrannt.
Eine umfassende Abfalltrennung ist also der Ausgangspunkt (wenn auch kein Garant) für Recycling. Die zweite Voraussetzung für gelungenes Recycling ist der Abfall selbst und die Frage, ob und in wie weit dieser recyclebar ist.
 
Metallverpackungen verlieren auch durch Recycling nichts von ihren Materialeigenschaften und können ohne Qualitätsverlust ständig weiterverwendet werden
Unterschiede je nach Material. Je nach Rohstoff gibt es hier deutliche Unterschiede, wie man schon an den häufigsten Verpackungsabfällen deutlich erkennen kann:
So ist das Recycling von Glas meist problemlos möglich und der Anteil an wiederverwendetem Altglas liegt bei Grünglas bei circa 90 % und bei Weißglas bei bis zu 60 %. Die getrennte Sammlung von Weiß und Buntglas ist notwendig, da ansonsten bei der Herstellung von Weißglas mit Rezyklat Verfärbungen auftreten würden.
Auch das Recycling von Papier, Pappe und Kartonagen, die von den Österreichern besonders sorgfältig rezykliert werden, ist gut möglich. Aus wiederverwendeten Papierfasern können Hygienepapier, Zeitungen, Verpackungskartons etc. entstehen. Durchschnittlich können Papierfasern bis zu sechsmal den Recyclingprozess durchlaufen, bevor sie aus dem Produktionsprozess ausscheiden.
Schwieriger ist das hingegen bei Kunststoffen, da hier aufgrund der großen Vielfalt und dem Einsatz vieler unterschiedlicher Additive eine sortenreine Trennung kaum möglich ist. Die Qualität des Rezyklats hängt jedoch davon ab, wie genau die Sortierung ist. Aus diesem Grund spricht man von bei Kunststoff Recycling von einem Downcycling. Das heißt, dass die Materialeigenschaften des Rezyklats schlechter sind als die neuer Kunststoffe.
Recyclingsieger sind Metallverpackungen. Sortierte Metallverpackungen werden zu 100 % rezykliert und wiederverwendet. Aufgrund der magnetischen Eigenschaften von Weißblech kann dieses zudem sehr gut automatisch sortiert werden. Aluminiumverpackungen hingegen werden mittels Handsortierung oder Wirbelstromabscheidern aussortiert. Gemeinsam ist Weißblech- und Aluminiumverpackungen ihre unbegrenzte Wiedereinsetzbarkeit: Metallverpackungen verlieren auch durch Recycling nichts von ihren Materialeigenschaften und können ständig weiterverwendet werden. „Rund 80 %
des weltweit jemals produzierten Metalls wird immer noch weiterverwendet“, weiß Pirlo Geschäftsführer und ÖIV-Präsident Rainer Carqueville und verweist auf offizielle Zahlen des Verbandes Metal Packaging Europe.
Ein wichtiger Weg, eine zunehmende Verschmutzung durch Müll zu vermeiden, ist also fachgerechtes Recycling. Gerade in Zeiten zunehmender Rohstoffknappheit wird immer klarer, dass unser Müll oftmals gar kein „Müll“ ist, sondern eine wertvolle Ressource. Es ist ein Schatz, der Tag für Tag in unseren Mülltonnen landet – und den es zu heben gilt.
Dies ist jedoch ein Vorgang, bei dem alle gefordert sind: der einzelne Konsument bei der fachgerechten Entsorgung, die Hersteller bei der Auswahl der Rohstoffe und die Politik bei der Schaffung der nötigen Rahmenbedingungen.
 
Verpackung erfüllt wichtige Funktionen. Ein weiterer, wichtiger Ansatzpunkt ist natürlich die Vermeidung von Abfall. Hier setzt auch der öffentliche Diskurs an und kritisiert die Verpackungswirtschaft: Als unnötig und sinnlos werden Verpackungen in vielen Diskussionen pauschaliert.
Dem kann man nur deutlich widersprechen. Natürlich gibt es teils überflüssige Verpackungen, dies sei außer Frage gestellt. Der Großteil der Verpackungen erfüllt jedoch wichtige Funktionen und trägt – gerade im Bereich der Lebensmittelverpackungen – sogar zur Vermeidung von Abfall bei, indem sie beispielsweise hilft, Lebensmittel länger haltbar und lagerfähig zu machen.
Auch im Bereich der Gefahrgutverpackungen kommt der Verpackung eine wichtige Rolle im Bereich Umweltschutz zu. Denn nicht nur schützt Verpackung hierbei das Produkt, sondern vor allem auch die Umwelt vor dem Einfluss des Füllgutes. 
 
*) ohne Beachtung des Abfallstroms „Aushubmaterialien“
 
Text: Maria Kröll, Pirlo Group. Kontakt: m.kroell@pirlo.com, www.pirlo.com
 
 
Dieser Artikel ist in der Pack & Log 06/2018 erschienen - Download 
 

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