Balanceakt Verpackung

 
„Lebensmittel, die nicht sicher sind, dürfen nicht in Verkehr gebracht werden“ (EU Basis VO 178/2002) – Kunststoffverpackungen die nicht recyclingfähig sind, in naher Zukunft ebenfalls nicht (Vgl. EU-Kreislaufwirtschaftspaket). Unsere Gesundheit und unsere Umwelt müssen geschützt werden.
 
In der ökologischen Betrachtung wiegt das Lebensmittel meist schwerer als die Verpackung
Die gegenseitige Abhängigkeit dieser Ver- und Gebote trifft sich thematisch unter anderem im Design der Lebensmittelverpackung.

Die Lebensmittelverpackung hat eine Vielzahl an Aufgaben zu erfüllen: Die Schutzfunktion, die Funktion als Behältnis, die Kommunikation mit Konsument*innen und die Convenience werden als Basisfunktionen der Lebensmittelverpackung angesehen (Singh, Wani, Langowski, 2017) und gewährleisten die notwendige Versorgungssicherheit und Lebensmittelsicherheit im globalisierten Handel.

Die Komplexität hinter der Gewährleistung dieser Anforderungen ist groß und steigt mit dem Fokus und Wunsch auf nachhaltigen Konsum weiter an. Die Recyclingfähigkeit bzw. Zirkularität der Lebensmittelverpackung rückt zunehmend ins Rampenlicht. Lebensmittelverpackungen sollen kreislauffähig gestaltet sein und nach ihrer Verwendung wieder zu ebengleichen werden (circular economy).

Vor allem in Bereich der flexiblen Verpackungen induziert diese Bestrebung einen wahren Balanceakt. Lange Jahre wurde an der Reduktion des Verpackungsgewichtes durch funktionelle Schichtkombinationen gearbeitet, mit den Zielen, die product-to-packaging ratio und den Produktschutz so weit wie möglich zu optimieren. Diesen Verpackungssystemen steht nun die nicht vorhandene Recyclingfähigkeit im Weg. Kombinationsmaterialien beispielsweise aus Papier, Aluminium, Kunststoffen, und das in vielfältigster Ausführung, sind in den meisten Fällen nicht kreislauffähig. Die einzelnen Schichten können, vor allem mechanisch, kaum voneinander getrennt werden und deshalb auch nicht auf gleichbleibender Qualitätsebene wieder neu eingesetzt werden.

Die wahre Krux liegt allerdings in der gesamtheitlichen ökologischen Betrachtung. Das Lebensmittel wiegt ökologisch meist schwerer als die Verpackung und nicht rezyklierbare flexible Mehrschichtverpackungen unterbieten oft schwerere aber rezyklierbare Verpackungen in ihren ökologischen Gesamtauswirkungen. Es kommt zu trade-offs zwischen Nachhaltigkeits- und Recyclingfähigkeitsbestrebungen, will man den Produktschutz und die damit forcierten langen Haltbarkeiten der Lebensmittel (Lebensmittelsicherheit sowie Versorgungssicherheit!) nicht beschneiden.

Diesem Problem widmet sich der Fachbereich Verpackungs- und Ressourcenmanagement an der FH Campus Wien in Forschungsprojekten. Unter anderem im Branchenprojekt Reflex. Hierin werden in drei Anwendungsbereichen rund um flexible Verpackungen (Käse-/Wurstverpackungen, Süßwarenverpackungen und Snackverpackungen) prototypisierte Barriereverpackungen entwickelt, die beiden Kriterien (Nachhaltigkeit und Recyclingfähigkeit) gerecht werden. Stoffstromanalysen, eine Vernetzung der gesamten Supply-Chain, ein proof-of-concept über Verpackungsherstellung, -verarbeitung, Produktschutz und Recycling sowie die Entwicklung eines Empfehlungskataloges zeichnen die Kernbereiche dieses Branchenprojektes aus. Aktuell (Stand: 12.2019) beteiligen sich 15 Betriebe an der Forschung und bringen spezifische Problemstellungen und Lösungsansätze für die gesamte Supply-Chain ein. Über eine Projektlaufzeit von drei Jahren widmen sich Forscher*innen der FH Campus Wien und die Vertreter*innen der Wertschöpfungskette diesen Herausforderungen im Balanceakt zwischen Kreislauffähigkeit, Nachhaltigkeit, Qualität und Sicherheit.[pl]

Weiterführende Informationen:
  • VERORDNUNG (EG) Nr. 178/2002 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 28. Januar 2002 zur Festlegung der allgemeinen Grundsätze und Anforderungen des Lebensmittelrechts, zur Errichtung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit und zur Festlegung von Verfahren zur Lebensmittelsicherheit.
  • Europäische Kommission, 2019. Auf dem Weg zu einer Kreislaufwirtschaft. Online: https://ec.europa.eu/commission/priorities/jobs-growth-and-investment/towards-circular-economy_de Zugriff: 2019-27-11.
  • Preeti Singh, Ali Abas Wani, Horst-Chris-tian Langowski (2017). Food Packaging Materials: Testing & Quality assurance. CRC Press. Chapter 1.
    FH Campus Wien. Forschungsfeld Sus-tainability and Packaging Research. Online: https://www.fh-campuswien.ac.at/forschungsfelder/applied-life-sciences/forschungsfeld-sustainability-and-packaging-research.html Zugriff: 2019-11-27.
Fachbereich Verpackungs- und Ressourcenmanagement an der FH Campus Wien
Die FH Campus Wien bietet als einzige Hochschule in Österreich Studienprogramme zur Verpackungstechnologie an – das Bachelorstudium Verpackungstechnologie und das englischsprachige Masterprogramm Packaging Technology and Sustainability. Das Bachelorstudium Nachhaltiges Ressourcenmanagement beleuchtet als interdisziplinäres Studium die Thematik Klimawandel, Ressourcenverknappung, Abfallentsorgung bzw. -vermeidung und die damit verbundene Umweltgesetzgebung.
Mit über 6.500 Studierenden ist die FH Campus Wien die größte Fachhochschule Österreichs. In den Departments Angewandte Pflegewissenschaft, Applied Life Sciences, Bauen und Gestalten, Gesundheitswissenschaften, Soziales, Technik sowie Verwaltung, Wirtschaft, Sicherheit, Politik steht ein Angebot von mehr als 60 Studien- und Lehrgängen in berufsbegleitender und Vollzeit-Form zur Auswahl. www.fh-campuswien.ac.at
 
Autorin: Anna-Sophia Bauer, MSc. ist wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachbereich Verpackungs- und Ressourcenmanagement der FH Campus Wien, Fokus Lebensmittelqualität und -sicherheit in zirkulären Verpackungslösungen. Sie ist weiters Projektleiterin der FHCW im Projekt Reflex. 
Kontakt: anna-sophia.bauer@fh-campuswien.ac.at
 

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