Verpackungen ökologisch zu bewerten ist nicht einfach, denn oftmals entsprechen sie nicht ihrem Klischee

Bei der Einschätzung von Verpackungen muss man unterscheiden, ob ein Material (nur) eine „gute“ Verpackung für den Produktschutz ist oder ob es (auch) eine „gute“ Verpackung aus ökologischer Perspektive ist. So hat Glas sehr gute Produktschutz-Eigenschaften, ist als Einwegglas aber extrem energieintensiv und klimabelastend im Vergleich zu anderen Verpackungsmaterialien. Daher muss man bei der Suche nach einem optimalen Verpackungsmaterial immer schauen, welche Materialien überhaupt zur Verfügung stehen, die gleich oder ähnlich gut den nötigen Produktschutz gewährleisten.

Kein Verpackungsmaterial ist ökologisch immer zu empfehlen. Um diese Thematik den Verbraucher*innen an praktischen Beispielen zu veranschaulichen, hat das ifeu im Auftrag des NABU für neun Produkte auf dem Markt gängige Verpackungsalternativen ökologisch miteinander verglichen. Im Rahmen von LCA-Screenings wurden diese hinsichtlich der Auswirkungen auf drei große ökologische Probleme unserer Zeit analysiert: Klimawandel, nicht erneuerbarer Ressourcenverbrauch und Schadstoffemissionen. Hier zeigt sich, dass – bezogen auf Produktschutz und Ökologie – kein ideales Verpackungsmaterial über alle Produkte hinweg existiert. Vielmehr muss man immer schauen, welche Materialien in Konkurrenz zueinanderstehen, die die Schutzfunktion erfüllen können, wie sich die Verpackungsgewichte unterscheiden und ob die Verpackung (in der Praxis) recyclingfähig ist.
Das grundsätzliche Verteufeln von Kunststoff ist genauso unberechtigt wie eine grundsätzliche Lobpreisung von Glas und Papier. Einwegglas hat ein viel zu gutes Image, wenn man sich vor Augen führt, wie hoch hier der fossile Ressourcenverbrauch durch die energieintensive Herstellung und das Recycling ist. Hinzu kommt: Durch das hohe Gewicht sind die Emissionen an Treibhausgasen und weiteren Schadstoffen beim Transport enorm. Glas ist von den Schutzfunktionen ein sehr gutes Verpackungsmaterial – ökologisch gesehen sollte es aber unbedingt als Mehrwegverpackung eingesetzt werden.

Einwegglas ist schlechter als sein Image. Recycling bzw. die Recyclingfähigkeit muss Standard für alle Verpackungen werden, egal aus welchem Material sie sind. An Glas und Weißblech-Konserve sieht man aber auch: Hohe Recyclingquoten allein führen nicht automatisch zu einem ökologisch guten Abschneiden. Sie können bei Einwegglas und Weißblech die extreme Umweltbelastung durch den hohen Energiebedarf und die starke Schadstoffbelastung nur abfedern, aber nicht ausgleichen. So verursacht beispielsweise das Einwegglas bzw. die Einwegflasche für Tomatensoße 7,5-mal so hohe klimarelevante Emissionen als der Food-Karton, obwohl die Recyc-lingquote bei Glas wesentlich besser ist. Beim konservierten Gemüse gibt es als Verpackungsalternative zum Einwegglas Schlauchbeutel aus Kunststoff. Vergleicht man das Einwegglas mit einem recyclingfähigen unbeschichteten Kunststoffbeutel, liegen die klimarelevanten Emissionen beim Glas über 15-mal höher. Öfter im Markt finden sich allerdings Schlauchbeutel aus Kunststoff mit Alubeschichtung, da hier die Haltbarkeit des Lebensmittels länger ist. Aber auch hier liegen die klimarelevanten Emissionen des Einwegglases auch noch 9,5-mal höher als beim Schlauchbeutel – obwohl der mit Alu beschichtete Schlauchbeutel nicht recyclingfähig ist.
Einwegglas schneidet bei beiden Beispielen auch schlechter ab als die Weißblechdose, was am Verpackungsgewicht liegt: Beim Einwegglas muss knapp viermal so viel Material produziert, transportiert und entsorgt werden als bei der Weißblechdose. Daher sind auch die Treibhausgas- und Schadstoffemissionen beim Einwegglas höher.

Genau hinschauen: Papierverpackungen. Differenzierter ist es bei Papier: Als Papiertüte für Nudeln oder wenig anspruchsvolle Cerealien ist (reines) Papier eine klimaschonendere Alternative zum Kunststoffbeutel. Anders gelagert ist es jedoch, wenn gewichtsmäßig sehr viel mehr Papier bzw. Karton nötig ist als bei der Kunststoffvariante: So schneidet bei Nudeln und Cerealien der Pappkarton viel schlechter ab als der leichte Kunststoffbeutel. Ursache hierfür ist der mehr als siebenfache Materialbedarf und der extrem hohe Energieverbrauch der Papierindustrie. Wenn ich mit ähnlichem Materialgewicht die Verpackung gestalten kann, hat Papier aufgrund des hohen Anteils nachwachsender Rohstoffe durchaus Vorteile gegenüber zum Beispiel Kunststoff. Das Problem ist allerdings, dass Papier allein nur bei wenigen Produkten den Produktschutz leisten kann, den Kunststoff ermöglicht. So kann man zum Beispiel trockene und nicht-fettende Lebensmittel wie Nudeln oder pure Haferflocken gut auch in Papier verpacken, beim Gros der Papierverpackungen braucht man jedoch für die Haltbarkeit der Produkte (und auch die „Haltbarkeit“ der Papierverpackung) Kunststoff- bzw. Alubeschichtungen oder es werden Chemikalien im Papier eingesetzt, die die Papierverpackung nassfest und/oder fettbeständig machen. Bei dünnen Kunststoffbeschichtungen lässt sich die Papierverpackung noch recyceln (in Deutschland muss die Verpackung zu 95% aus Papier bestehen, damit sie über das Altpapier entsorgt werden darf). Aktuell kommen allerdings immer mehr Verpackungen auf den Markt, die für einen guten Marketingeffekt nach Papier aussehen und aber beispielsweise nicht recyclingfähige Verbunde sind. Das schlechte Image von Kunststoff fördert hier leidet gerade neue Verpackungstrends, die nichts mit Ressourcenschonung zu tun haben.

Kunststoff ist nicht gleich Kunststoff. Bei Kunststoff ist die Auswahl der Kunststoffart sehr wichtig: Handelt es sich um gut recyclingfähiges PE oder PP, schneidet eine Verpackung eher gut ab. Dagegen wird PET aus der haushaltsnahen Sammlung in Deutschland quasi nicht recycelt, da es ausreichend PET-Rezyklat aus der sortenreinen Getränkeflaschensammlung gibt. Das wirkt sich negativ auf die Ökobilanz aus. So liegt die PET-Flasche für Saucen zum Beispiel bei den Umweltbelastungen auf dem Niveau von Einwegglas.

Mehr Abfallvermeidung! Verpackungen sind wichtig für den Schutz und die Haltbarkeit von Lebensmitteln. Gleichzeitig hat jede Verpackung negative Auswirkungen auf Umwelt und Natur. Daher steht die Abfallvermeidung an erster Stelle. Recycling und Kunststoff-Substitution, welche die aktuellen Werbeaussagen prägen, greifen daher zu kurz. Die Vermeidung von Verpackungsabfällen hat Priorität vorm Recycling und bei der Auswahl der Materialien ist es geboten, dass sich Hersteller und Handel sachlich und ökologisch orientieren und sich nicht nur vom Marketing treiben lassen. Wir brauchen mehr Mehrwegsysteme, sowohl für Transportverpackungen als auch bei Verkaufsverpackungen. Gleichwohl wird es weiterhin Einwegverpackungen geben, wobei wir das der Natur entnommene Material möglichst oft im Kreislauf führen müssen. Abbaubare oder kompostierbare Verpackungen widersprechen diesem Kreislaufgedanken und sind nicht die Lösung unserer ökologischen Krisen. Vielmehr muss der Abfallvermeidung mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden und die noch großen Potenziale des mechanischen Recyclings ausgeschöpft werden.

Der Artikel ist erschienen in Pack & Log 06/2022

 

Text: Katharina Istel. Die Autorin ist Referentin für Ressourcenpolitik beim NABU Bundesverband in Berlin. Die studierte Politologin beschäftigt sich insbesondere mit den Themen Abfallvermeidung, Verpackungen, Kreislaufwirtschaft und Mikroplastik. Vor dem NABU war sie Referentin beim Verbraucherzentrale Bundesverband. Kontakt: katharina.istel@nabu.de; www.nabu.de

Zurück