Text: Ing. Michael Krainz*

Gemeinsam mit heimischen KMU wie Pankrazhofer forscht das OFI  an nachhaltigen Verpackungslösungen

Verpackungen möglichst nachhaltig gestalten zu wollen, ist kein ganz neuer Trend. In den letzten Jahren haben bereits viele Unternehmen auf Verpackungsoptimierung gesetzt, was in vielen Fällen mit einer Verpackungsminimierung einherging. Weniger Verpackungsmaterial bedeutet weniger Verpackungsmüll – ganz einfach. Allerdings können viele dieser Lösungen nicht rezykliert werden und stehen damit im Widerspruch zur aktuellen Strategie der Kreislauffähigkeit.

Herausforderung Kreislauffähigkeit. In den letzten Jahren war das Ziel für viele Unternehmen der Branche klar: Den Anteil an Kunststoff im Verpackungsmaterial senken, wo möglich ganz vermeiden. Um den Produktschutz aufrechtzuerhalten, hat sich ein gänzlicher Verzicht auf Kunststoff für viele Produktgruppen allerdings als nicht zielführend erwiesen. So sind heute unterschiedlichste Multimaterialverbunde, beispielsweise Mehrschicht- bzw. Verbundfolien, im Einsatz, die zu einem großen Teil nach aktuellem Stand der Technik nicht rezykliert werden können.
Nicht die ideale Ausgangssituation, um die EU-Ziele der nächsten Jahre ohne Anstrengungen zu erreichen. Immerhin sehen diese vor, das Recycling von Kunststoffverpackungen bis 2025 zu verdoppeln. Bis 2030 sollen dann 100 % der am EU-Markt in Verkehr gebrachten Verpackungen wiederverwendbar sein oder kostengünstig rezykliert werden können, so der Vorsatz der europäischen Strategie für Kunststoffe in der Kreislaufwirtschaft.
Es ist also nachvollziehbar, dass in der Forschung der Fokus derzeit auf dem Thema Kreislauffähigkeit liegt. So wird auf der einen Seite nach Möglichkeiten gesucht, bestehende Materialien wiederzuverwerten, auf der anderen Seite investiert man in die Entwicklung neuer, rezyklierbarer Lösungen. Das Kooperationsprojekt „ÖkoVerpackt“ will einen deutlichen Schritt weitergehen und umweltfreundliche Lösungen ausloten. Neben der Auseinandersetzung mit der Kreislauffähigkeit von Verpackungslösungen sollen auch alle anderen relevanten Faktoren des Produktlebenszyklus in die Bewertung einfließen. Eine komplexe Herausforderung, bei der das OFI als wissenschaftlicher Partner unterstützt. Als Mitglied der ACR (Austrian Cooperative Research) setzt das OFI bei der Entwicklung innovativer Lösungen auf angewandte Forschung mit direktem Nutzen für beteiligte KMU.

Das Forschungsprojekt „ÖkoVerpackt“ hat es sich zum Ziel gesetzt, alle ökologisch relevanten Faktoren entlang des gesamten Produktlebenszyklus zu betrachten. Als Projektpartner mit an Bord ist u.a. der Lebensmittelproduzent Landena

Ökologisches Optimum finden. Verpackungen werden heute aus unterschiedlichen Materialien hergestellt. Je nach Anforderungen des Füllguts erfolgt eine Auswahl, die neben dem grundsätzlichen Produktschutz auch Funktionen wie Transport, Lagerung, Handhabung und Information erfüllen soll. Bei gleichzeitiger Ausführung aller erwünschten und notwendigen Funktionen muss die Verpackung immer individuell auf das Produkt abgestimmt sein.
Beim Design einer ökoeffizienten Verpackung gilt es all diese Rahmenbedingungen zu beachten, damit am Ende eines gelungenen Entwicklungsprozesses eine Lösung steht, die das ökologische Optimum im gesamten Produktlebenszyklus darstellt.
Hier setzt das Forschungsprojekt „ÖkoVerpackt“ an. Entlang des gesamten Produktlebenszyklus will man alle ökologisch relevanten Faktoren betrachten. Dazu zählen neben Produktschutz, Umweltauswirkungen und Recyclingfähigkeit auch Produktion, Marketing sowie Bedürfnisse von Handel und Konsument*innen. Im Rahmen des Forschungsvorhabens sollen daher alle Ebenen des Produktkreislaufes bewertet werden – von der Auswahl des richtigen Materials (z.B. Materialdicke; Mono- oder Verbundstoff) über Konsumentenanforderungen (z.B. Anwenderfreundlichkeit) bis zur abfalltechnischen Betrachtung (z.B. Recyclingfähigkeit). Diese umfassende Analyse bildet die Basis, um bestehende Verpackungen bewerten und gemeinsam neuartige, ökodesigngerechte Lösungen generieren zu können.
Um dieses komplexe Vorhaben bearbeiten zu können, bedarf es einer engen Zusammenarbeit von Wirtschaft und Wissenschaft. Das OFI unterstützt die Partner dabei, die identifizierten Verpackungslösungen materialtechnisch zu bewerten, auf ihre Markttauglichkeit zu untersuchen und optimierte Verpackungen ganzheitlich zu bewerten. Dabei können die Expert*innen des OFI auf Erfahrungen aus vorangegangenen Projekten zurückgreifen. In einem kooperativen Innovationsprozess wird so die Neugestaltung von Verpackungen ermöglicht und durch ihre Bewertung gleichzeitig sichergestellt, dass sie das ökologische Optimum darstellen.

Neue Chancen durch umfassende Betrachtung. Im Gegensatz zu anderen Forschungsvorhaben geht „ÖkoVerpackt“ einen gewaltigen Schritt weiter, indem nicht nur das Optimierungspotenzial in Bezug auf Kreislauffähigkeit erhoben wird, sondern eine umfassende Betrachtung des Produktlebenszyklus in die Bewertung bestehender und Entwicklung neuer Verpackungslösungen einfließt. Sich nicht auf einen Aspekt zu fokussieren, bietet neben der Herausforderung, die unterschiedlichen Faktoren zu erfassen, den Vorteil sie individuell abwägen und neu verbinden zu können. So könnte man in der Gesamtbetrachtung feststellen, dass bei bestimmten Anwendungen der Einsatz bestehender Lösungen bereits die ökologisch optimale Variante darstellt, auch wenn sie nicht recyclingfähig ist. Wird der gesamte Produktlebenszyklus analysiert, können sich aber auch neue Aspekte zeigen, die bisher nicht fassbar waren und zu neuen Verpackungslösungen führen könnten.
Von neuen Aspekten profitieren werden zuerst die teilnehmenden Unternehmen Landena Wels KG, Pankrazhofer GmbH, Jodl Verpackungen GmbH und PETman GmbH.

 

*Seit über 20 Jahren begleitet Ing. Michael Krainz als Experte für Verpackungskonstruktion, -entwicklung und -prüfung Kunden bei der Optimierung ihrer Verpackungslösungen. Sein Know-how bringt er in mehreren Forschungsprojekten ein, in denen sich das OFI aktiv mit Themen wie Recycling, Kreislaufwirtschaft und nachhaltigen Werkstoffen beschäftigt.

Kontakt: michael.krainz@ofi.at; www.ofi.at

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