Gefertigt in Linz im Hause  Pamminger: Ein Ortungssystem für Weltraumschrott. Eingesetzt wird es vom Deutschen Luft- und Raumfahrtinstitut

Herr Pamminger, stimmt es, dass Sie auch Hotelier hätten werden können?
(lacht) Nur mit sehr viel Phantasie! Aber es stimmt: Wir kommen ursprünglich aus einer Hoteliers-Familie. Wir haben direkt auf der Landstraße in Linz ein Hotel mit Restaurantbetrieb gehabt. Aber nach dem Tod meines Ururgroßvaters erhielt der erstgeborene Sohn das Hotel und der Zweitgeborene – mein Urgroßvater Friedrich Pamminger – gründete 1932 mit seinem Erbteil einen Schlosserei- und Reparaturbetrieb.

Enttäuscht, dass es nicht anders gekommen ist?
Nein auf keinen Fall, denn heute ist aus der kleinen Schlosserei ein florierendes Maschinenbauunternehmen geworden, während das Hotel schon seit vielen Jahrzehnten nicht mehr existiert. Das Gebäude steht zwar noch, aber es ist lange nicht mehr in Familienbesitz.

Wie hat sich die Schlosserei entwickelt bzw. was waren die ersten eigenen Maschinen?
Nach dem 2. Weltkrieg ist mein Großvater Fritz Pamminger ins Unternehmen eingestiegen. Zu dieser Zeit waren wir in Ober-österreich vor allem für die Mühlen- und Sägewerksausstattung sowie Sondermaschinen bekannt. Es war damals ein Schlossereibetrieb mit 15 Mitarbeitern. In den 70er Jahren haben wir begonnen aufwändigere Maschinen zu entwickeln und zu bauen. Zum Beispiel kommen jene Maschinen, die mittels Nadelperforation die Löcher in den braunen Teil des Zigarettenpapiers stechen, aus dem Hause Pamminger. Mit den Jahren wurde die Perforation dann von einem Laser übernommen. Mit diesen Anlagen wurde z.B. Tannpapier – weltgrößter Hersteller von Zigarettenpapieren – beliefert.

Wie hat sich der Maschinenbau über die Jahrzehnte entwickelt? Worauf kommt es heute an?
Es geht eigentlich seit längerer Zeit nicht mehr darum, einzelne Maschinen als Stand-Alone-Geräte zu bauen und zu verkaufen. Im Regelfall handelt es sich bei Aufträgen mittlerweile um Gesamtkonzepte für komplexe Anlagen. Was auch verständlich ist. Der Kunde will alles aus einer Hand. So kann er sicher sein, dass der Produktionsvorgang bzw. der Ablauf in seinem Unternehmen in sich abgestimmt ist und effizient läuft.
Unser Know-how und die jahrzehntelange Erfahrung in der Konzeption und dem Bau von komplexen Anlagen hat sich bis in die Luft- und Raumfahrtindustrie herumgesprochen. In diesem Bereich sind wir sehr erfolgreich tätig. Wir haben unter anderem für die Austrian Aero Space Satellitenhandling-Systeme gebaut und gemeinsam mit der MCE für Airbus Projekte abgewickelt. Für den Airbus A 350 wurden von uns z.B. die Handling- und Positioniertürme gebaut. Mit diesen wird die Qualitätskontrolle am Flugzeug durchgeführt.
Besonders stolz sind wir darauf, dass wir 2018/19 gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Radar-Technologie ein neues Positioniersystem zur Weltraumschrottortung entwickelt und gebaut haben. Hier ist Präzision und Verständnis für komplexe Anlagen oberstes Gebot. Der kleinste Fehler hätte bei diesen Distanzen immense Auswirkungen. Aber alles funktioniert perfekt und die Anlage wurde bereits dem Deutschen Luft- und Raumfahrtinstitut übergeben.

Es klingt so, als hätte sich der Maschinenbau auf die Luft- und Raumfahrt spezialisiert?
Das klingt nur so, weil wir einige namhafte Projekte in diesem Bereich realisiert haben. Im Prinzip setzen wir schlichtweg die Vorstellungen der Kunden in eine funktionierende Maschine oder Anwendung um, egal aus welchem Bereich sie stammen. So haben wir z.B. auch die Maschine für die Produktion der bekannten Grammastettner Mürbteigkrapferln gebaut. Sie sehen, wir sind offen für alles …

Für einen arabischen Kunden wurde ein Pfannendrehturm einer Brammenstranggussanlage gefertigt

Apropos alles: Wie kam die Verpackungstechnik in den Betrieb?
1974 ist Herr Ebner senior an meinen Großvater herangetreten mit der Bitte einen Drehteller-Wickler für Paletten zu entwickeln und zu bauen. Das hat mein Großvater getan. Die Firma Ebner hat diesen dann in weiterer Folge unter ihrem Namen vertrieben.
Mein Vater Rudolf Pamminger ist dann Ende der 70er Jahre ins Unternehmen eingestiegen und hat vor allem die Lohnfertigung und den Anlagenbau sehr stark forciert. Wir haben damals von einem Papierhersteller den Auftrag bekommen, große Rollen quer zu schneiden. Die entsprechende Anlage wurde wunschgemäß produziert. Im Anschluss wollte der Kunde allerdings, dass wir diese Rollen auch verpacken. Und damit schließt sich der Kreis zur Verpackungstechnik. Denn für diesen Auftrag wurde 1995 wieder Kontakt mit der Firma Ebner aufgenommen. Nach einem anfänglichen Joint-Venture unter dem Namen Ebner haben wir in weiterer Folge das Unternehmen aufgekauft und 1996 die Pamminger Verpackungstechnik gegründet. In diese bin ich seit 1995 hineingewachsen und habe gemeinsam mit meinem Vater seit 1996 die Geschäftsführung – sowohl der Pamminger Maschinenbau als auch der Pamminger Verpackungstechnik – inne. Formal gesehen ist die Pamminger Verpackungstechnik allerdings ein Tochterunternehmen der Pamminger Maschinenbau.

Bekannt wurde die Verpackungstechnik vor allem mit ihren Palettenwicklern.
Ja, in diesem Zusammenhang ist vor allem der Raptor zu nennen. Er ist seit 2004 in unserem Portfolio und ist nach einigen Updates nach wie vor der schnellste Ringwickler auf dem Markt. Aber es gibt auch eine absolute Neuentwicklung: Ein Horizontalwickler speziell für die Holzindustrie, ebenfalls der Schnellste auf dem Markt. Und erstmals in unserer Firmengeschichte haben wir für das Design eigens einen Industriedesigner engagiert. Jetzt kann sich die Maschine wirklich sehen lassen (lacht).

Alles in allem klingt es so, als könnten Sie den nächsten 90 Jahren positiv entgegenblicken …
Die Auftragslage ist gut. Wir platzen hier am Standort aus allen Nähten, aber das haben wir im Griff, es gibt allerdings ein großes Problemfeld …

… Arbeitskräfte?
Richtig. Wir könnten auf der Stelle sicher 15 Leute anstellen. Wir behelfen uns soweit es geht mit Überstunden und Leihpersonal. Dabei legen wir sehr viel Wert auf langfristige Arbeitsverhältnisse. Bei der Firma Pamminger geht man in Pension! Und wir sind ein ausgezeichneter Ausbildungsbetrieb für Lehrlinge. Jedes Jahr bin ich mit mindestens einem Lehrling für eine Ehrung beim Landeshauptmann.

Immer öfter hört man, die Vier-Tage-Woche wäre – zwecks Work-Life-Balance – die Zukunft?
Sie streuen gerade Salz in offene Wunden. Denn prinzipiell sind wir durchaus bereit auf eine Vier-Tage-Woche umzustellen, aber wir sind ein Ausbildungsbetrieb. Laut Gesetz müssen Lehrlinge 38 Stunden in der Woche ausgebildet werden, dürfen aber nicht mehr als 9 Stunden pro Tag arbeiten. 4 x 9 ist aber bekanntlich 36. Das sind 2 Stunden zu wenig. So kann der Ausbildungsvertrag nicht erfüllt werden. Bei den offiziellen Stellen stößt man diesbezüglich allerdings auf Ignoranz. So bleibt uns der Weg zu einer Vier-Tage-Woche dank der starren Gesetzeslage versperrt. Das ist im Hinblick auf die Anwerbung von Arbeitskräften ein nicht zu unterschätzender Nachteil! Es muss also seitens der Politik noch einiges passieren, um der insgesamt schwierigen Lage am Arbeitsmarkt gerecht zu werden. Ist dieses Problem behoben, blicke ich den nächsten 90 Jahren gerne positiv entgegen.

Vielen Dank für das Gespräch.

Das Interview führte Mag. Gernot Rath, Chefredakteur Pack & Log. Es ist erschienen in Pack & Log 07/2022

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