Mag. Bettina Fuchs-Tschoner,  Marketing Communication Manager bei Metsä Board

Holz wächst nach. Aber ist das gleichbedeutend mit unendlicher Verfügbarkeit eines Rohstoffes? Wohl kaum. Dennoch sonnen sich die Konsumenten:innen gerne im verführerischen Licht des „nachwachsenden Rohstoffs“. Es beruhigt das Gewissen. Auf der anderen Seite gibt es jene, für die eine gedruckte Zeitung oder eine Verpackung aus Karton bzw. Wellpappe das Synonym für Waldsterben ist. Was muss passieren, damit ein gesunder Kreislauf entsteht? Damit jeder – vom Förster über die Industrie bis hin zum Konsumenten – ein reines Gewissen haben kann? Zudem sollte die Verpackung auch alle ihre Aufgaben erfüllen. Antworten liefert Mag. Bettina Fuchs-Tschoner, Marketing Communication Manager bei Metsä Board, einem führenden europäischen Hersteller von Premium-Frischfaserkarton mit Sitz in Finnland. Pack & Log hat sie zum Interview gebeten.

 

Holz ist zwar ein nachwachsender Rohstoff, aber doch endlich. Insgesamt ist die Waldfläche in den letzten 30 Jahren weltweit um 180 Millionen ha geschrumpft. Wie ist die Lage in Finnland?
In Finnland sieht die Lage sehr gut aus. Knapp 75 Prozent der finnischen Landfläche ist von Wäldern bedeckt – das sind rund 10 Prozent der bewaldeten Flächen in ganz Europa. Und im Gegensatz zu anderen Ländern ist die Waldfläche in Finnland stabil geblieben. Die Menge an Bäumen in diesen Waldflächen ist sogar gestiegen. Alles in allem sind wir also weiterhin eins der waldreichsten Länder der Welt.

Können Sie sich erklären, woran das liegt?
In Finnland gibt es beispielsweise ein Waldgesetz, das vorschreibt, dass nach einem Verjüngungsschlag immer neue Wälder aufgeforstet werden müssen. Zudem sind viele Wälder in Finnland in Privatbesitz. Für die Menschen hier hat der Wald einen hohen, wirtschaftlichen Wert und wird als nachhaltige Sicherheit angesehen, die in einem noch besseren Zustand an die nächste Generation weitergegeben werden soll. Daher legen die Waldbesitzer viel Wert darauf, ihre Wälder gut zu bewirtschaften. Konkret zeigt sich das beispielsweise darin, dass Metsä Board den Waldbesitzern jedes Jahr mehr als 30 Millionen Setzlinge zur Verfügung stellt, die gepflanzt werden, um die Regeneration zu gewährleisten.

Innovation und Nachhaltigkeit wird bei Metsä Board großgeschrieben: Erst vor kurzem stellte das Unternehmen gemeinsam mit The Paper Lid Company einen Deckel für  Einwegbecher vor, der zu 100 Prozent aus recycelbarem Karton besteht

Ist Wald gleich Wald? Sprich geht es nur um die Quantität oder ist Qualität auch ein Kriterium?
Nein, Quantität ist nicht das einzige, was zählt, auch die Biodiversität in den Wäldern spielt eine große Rolle. Beispielsweise ist es wichtig, die Menge an Totholz in finnischen Wäldern zu erhöhen, denn stehendes Laubholz ist Lebensraum für viele im Wald vorkommenden Arten. Deshalb hat die Metsä Group aktiv Lösungen zur Förderung der Biodiversität entwickelt, beispielsweise lassen wir seit 2016 Baumstümpfe mit hoher biologischer Vielfalt in Einschlagsgebieten stehen. 84 Prozent der Waldbesitzer, die mit uns zusammenarbeiten, haben sich entschieden, mitzumachen. Das hat zu Folge, dass sich die Anzahl der Baumstümpfe mit hoher Biodiversität pro Hektar zuletzt verdoppelt hat. Ein wirklich schönes Ergebnis, wie wir finden.

Nachhaltigkeit ist zwar in aller Munde. Aber es ist ein komplexes und sehr weitläufiges Thema. Wie geht Metsä Board diesbezüglich mit seinen Kunden um?
Uns ist es sehr wichtig, unsere Kunden gut aufzuklären und ihnen Unterstützung bei der Auswahl des richtigen Materials zu bieten. Es gibt einfach so viele Möglichkeiten, Produkte nachhaltig und trotzdem aufmerksamkeitsstark zu verpacken. Deshalb haben wir einen Nachhaltigkeits-Service eingerichtet, bei dem wir die Compliance analysieren und gemeinsam mit dem Kunden die Nachhaltigkeit seiner Kartonverpackung optimieren.

Die Verpackung ist ein guter Verkäufer. Aber verträgt sich ein glamouröser Auftritt am Point of Sale mit dem Nachhaltigkeitsgedanken?
Ja. In Karton lässt sich eigentlich alles verpacken. Von Elektrogeräten über Getränke bis hin zu Premium-Kosmetik lassen sich im Kartonbereich passende Lösungen finden. Frischfaserkarton ist hier häufig eine gute Lösung, da er besonders rein ist und sich sehr gut bedrucken lässt. Daher haben wir bei Metsä Board einen Verpackungsdesign-Service, der nicht nur die Produkterlebnisse am POS, sondern gleichzeitig auch die Umweltverträglichkeit optimiert. In den vergangenen Jahren hat unser Verpackungsdesign-Team schon häufig bewiesen, zu welchen Leistungen es fähig ist, beispielsweise mit der innovativen Verpackung für den Chopin-Vodka.

Im hauseigenen Excellence Center wird die Entwicklung neuer Karton- und Verpackungslösungen vorangetrieben

Bei aller Schönheit und aller Nachhaltigkeit müssen Verpackungen trotzdem industriell gefertigt werden. Inwieweit unterstützt Metsä Board in diesem Punkt seine Kunden?
Bei der industriellen Fertigung gibt es viele Dinge zu bedenken. Und natürlich soll die Verpackung am Ende auch ideal performen. Hier gilt es, die Verarbeitungseffizienz und Verpackungsleistung zu steigern. Viele Dinge können unsere Designer bereits im Entstehungsprozess beeinflussen. Zusätzlich haben wir aber auch einen technischen Service, der Projekte betreut und exakt für diesen Bereich zuständig ist.

Innovation ist gefragt. Sie ist Garant sowohl für den Erfolg des Unternehmens als auch seiner Kunden. Wie innovativ ist Metsä Board?
Wir haben in den vergangenen Jahren bewiesen, dass sich mit Frischfaserkarton vieles nachhaltig und innovativ gestalten lässt. Beispielsweise haben wir in Zusammenarbeit mit Esbottle einen kelchförmigen Pappbecher für Partygetränke entwickelt und gerade erst gemeinsam mit The Paper Lid Company einen Deckel für Einwegbecher vorgestellt, der zu 100 Prozent aus recycelbarem Karton besteht. Uns ist es wichtig, immer neue, nachhaltige Lösungen zu entwickeln und deshalb bieten wir einen F&E-Service an, in dem wir gemeinsam mit Kunden und vielfältigen Partnern mithilfe von umfangreichen Testverfahren neue Einsatzmöglichkeiten des Materials Frischfaserkarton erforschen.

Zu guter Letzt noch eine Frage zur Logistik: Die internationalen Lieferketten sind derzeit etwas angespannt – um es gelinde auszudrücken. Was macht Metsä Board, um seine Kartonlieferungen rechtzeitig ans Ziel zu bringen?
Uns ist wichtig, dass nicht nur die Verpackung möglichst nachhaltig ist, sondern auch der Transport. Dazu tragen wir beispielsweise bei, indem wir leichtgewichtigen Frischfaserkarton verwenden, der ein niedriges Transportgewicht hat und dadurch Emissionen verringern kann. Mit dem 360°-Service-Konzept möchten wir Wettbewerbsvorteile durch zuverlässige, prompte und kosteneffiziente Kartonlieferungen und Zeitersparnisse durch eine digital integrierte Lieferkette schaffen.

Vielen Dank für das Gespräch.

 

Der Interview ist in Pack & Log 09/2021 erschienen

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