Die modernen Sensoren von TriPlast können 24 verschiedene Abfallfraktionen erkennen, analysieren und sortenrein trennen, um die wertvollen Rohstoffe ohne  Qualitätseinbußen für das Recycling vorzubereiten

Der Hintergrund für den Bau ist klar: Österreich muss im Hinblick auf die EU-Recyclingquoten aufrüsten. Die neu adaptierten Recyclingziele des EU-Kreislaufwirtschaftspakets erfordern eine grundlegende Steigerung der Sammlung von Leichtverpackungen bei Kunststoff. Mit den bestehenden 15 österreichischen Anlagen und ihren Sortierkapazitäten von 1.000 bis 30.000 Tonnen pro Jahr ist dieses EU-Recyclingziel aktuell nicht erreichbar. „Es müssen 80 % aller Verpackungen gesammelt, daraus 80 % für das Recycling aussortiert und im Recycling selbst ebenfalls 80 % Ausbeute erzielt werden. Dann lässt sich das Ziel von 50 % Recyclingquote bei Kunststoffverpackungen erreichen“, erklärt ARA-Vorstand Martin Prieler. Österreich steht heute bei 58 % x 58 % x 78 % – und einer Recyclingquote von 25 %. Mit der neuen Sortieranlage TriPlast haben ARA, Bernegger und Der Grüne Punkt rechtzeitig für 2025 die Kapazität und Technologie geschaffen.
Die aktuelle Anlageninfrastruktur in Österreich sorgt bei Kunststoffverpackungen für eine Sortiertiefe von 58 %, die Anlage von ARA, Bernegger und Der Grüne Punkt soll 80 % schaffen. Mit einer Hallenhöhe von bis zu 28 Metern wird die neue Anlage im oberösterreichischen Ennshafen zu einer der höchsten in Europa zählen, sie sorgt damit für geringen Flächenverbrauch und einen effizienten Materialfluss. Der Standort ist logistisch nachhaltig geplant und ermöglicht
durch den direkten Bahnanschluss für die gleichzeitige Entladung von bis zu fünf Ganzzügen einen emissionsarmen und klimafreundlichen Transport per Schiene. Der Standort ist mit Blick auf die Novelle des österreichischen Abfallwirtschaftsgesetzes (AWG) strategisch besonders günstig gelegen. Schließlich pusht die Novelle den emissionsarmen Transport per Bahn. Schon in wenigen Jahren sind mehr als zehn Tonnen Abfall bereits ab 100 km über die Schiene zu transportieren.

v.l. Rainhard Hofbauer (Betriebsleiter TriPlast), Harald Hauke (ARA Vorstandssprecher), Jürgen Secklehner (Geschäftsführer TriPlast), Martin Prieler (ARA Vorstand),  Kurt Bernegger (Geschäftsführer TriPlast)

Die Reise der Leichtverpackung. Bei Verpackungsabfällen führen verschiedene Erfassungssysteme (z.B. Hol- oder Bringsystem, Behälterart) und Einzugsgebiete (z.B. ländlich, städtisch) zu unterschiedlich zusammengesetztem Inputmaterial. „Die modernen Sensoren von TriPlast können 24 verschiedene Abfallfraktionen erkennen, analysieren und sortenrein trennen, um die wertvollen Rohstoffe ohne Qualitätseinbußen für das Recycling vorzubereiten“, ist TriPlast Geschäftsführer Kurt Bernegger stolz. Expert:innen erwarten in der Input-Menge rund acht Prozent Metallverpackungen sowie 14 Prozent Fehlwürfe, der Rest wird sich aus unterschiedlichen Kunststoffverpackungen zusammensetzen. „Die wirklich problematischen Fehlwürfe betreffen Akkus und Batterien“, erklärt Kurt Bernegger im Gespräch. „Die mechanischen Kräfte, die im Zuge der Sortierung auf Akkus und Batterien wirken, führen zur Beschädigung dieser und in weiterer Folge sehr leicht zu Bränden. Diese immanente Brandgefahr stellt alle Recycling- und Entsorgungsbetriebe vor große Probleme. Triplast verfügt zwar über die modernsten Brandschutzsysteme, aber ein Restrisiko bleibt immer bestehen. Ich möchte daher an dieser Stelle darauf hinweisen, dass Akkus und Batterien ganz einfach im Handel abgegeben werden können“, so Bernegger.
Das in der Sortieranlage durchgeführte Behandlungsverfahren ist eine rein mechanische Sortierung von Abfällen. Der Materialmix wird mit Hilfe von Siebtrommeln, Windsichtern, Überbandmagneten, Wirbelstromscheidern und Nah-Infrarot-Geräten Schritt für Schritt in verschiedene Materialarten getrennt:

  • Kunststoffe (PP, PE, PS oder PET)
  • Weißblech
  • Aluminium
  • Getränkekartons
  • Pappe/Papier/Karton
  • Folienfraktionen
  • Sortierreste bzw. Mischkunststofffraktionen

Wenn die Leichtverpackung die Reise durch die Sortieranlage beginnt, wird der Abfall der Gelben Tonne bzw. der Gelbe Sack in der Inputhalle entladen. Mittels Sackaufreißer werden die Säcke geöffnet und das Material gleichmäßig auf dem Förderband verteilt. Die Materialien werden mechanisch nach Größe sortiert, dies geschieht durch ein sogenanntes Trommelsieb. Mittels Windsichter werden Folien abgesaugt, Ballistiksichter rütteln das Material auf und ermöglichen eine weitere mechanische Trennung des Inputmaterials in Folien und Formkörper, wie beispielsweise Flaschen oder Kanister. Mit Hilfe modernster Nahinfrarot-Sensorik werden die Materialien nach Kunststoffart und nach unterschiedlichen Farben aufgeteilt. Bei allen Fraktionen gibt es im Sinne der Qualitätskontrolle die Möglichkeit, das Material in der eigens vorgesehenen Sortierkabine von möglichen Störstoffen oder Fehlwürfen zu befreien. Nach dieser Station sind die Verpackungen am Ende ihrer Reise in der Sortieranlage fast angekommen. In Ballen gepresst, werden die Hauptfraktionen zur Verwertung abgeholt. Der Großteil der Outputfraktionen bleibt in Österreich, daraus entstehen wieder neue Produkte wie Behälter für Shampoos oder Spülmittel, Müllsäcke oder Folien. 

triplast.at

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