Fitness-Check PPWR: Wellpappe-Branche startet in den Umsetzungs-Endspurt
von Gernot Rath
Viele Unternehmen beschäftigen sich intensiv damit, welche Anforderungen durch die PPWR auf sie zukommen, und wie sie diese entlang der Lieferkette praktisch umsetzen können. Die hohe Teilnahme zeigt, wie groß der Informationsbedarf aktuell ist“, so Stephan Kaar, Sprecher des Forum Wellpappe Austria. „Als Wellpappe-Industrie ist es wichtig, den Austausch entlang der gesamten Lieferkette zu ermöglichen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln. Gleichzeitig sehen wir, dass die Stärken der Wellpappe – hohe Recyclingquoten und ein funktionierender Kreislauf – in der PPWR klar anerkannt werden.“
Wellpappe sieht Vorteile durch die PPWR. Im Mittelpunkt der Veranstaltung stand ein Fachvortrag von Christoph Waldau, CEO von Berndt & Partner Crealty zur „PPWR Readiness in der Wellpappe-Industrie“. Darin zeigte Waldau auf, welche Anforderungen ab August 2026 auf Unternehmen zukommen, etwa bei Konformitätserklärungen, technischen Dokumentationen oder Kennzeichnungspflichten. Waldau hob hervor, dass Wellpappe aufgrund ihrer Monomaterial-Struktur, der hohen Recyclingfähigkeit und etablierter Kreisläufe Vorteile im neuen regulatorischen Umfeld hat. „Die PPWR bringt viele neue Pflichten und einen hohen Dokumentationsaufwand mit sich. Gerade dort, wo künftig strengere Anforderungen an Materialien oder Wiederverwendung gelten, kann Wellpappe aber ihre Stärken ausspielen“, so der Experte.
REWE setzt auf Zusammenarbeit entlang der Lieferkette. Wie Handelsunternehmen mit der PPWR umgehen, zeigte der Deep Dive von Andreas Streit, Nachhaltigkeitsleiter der REWE Group. Dabei wurde deutlich, dass die neuen Vorgaben tief in Verpackungsdesign, Lieferketten und Prozesse eingreifen werden. Themen wie Recyclingfähigkeit, Rezyklateinsatz, Kennzeichnungspflichten und Verpackungsreduktion würden künftig noch stärker in den Fokus rücken. Andreas Streit verwies etwa auf steigende Datenanforderungen und die operative Komplexität entlang der Supply Chain. „Die PPWR betrifft nicht einzelne Unternehmen, sondern ganze Wertschöpfungsketten. Deshalb müssen wir gemeinsam pragmatische Lösungen entwickeln, die ökologisch sinnvoll und gleichzeitig wirtschaftlich umsetzbar sind“, sagte Andreas Streit.
Rollen klären, Ziele umsetzen. Dass trotz intensiver Vorbereitung noch viele Unsicherheiten bestehen, zeigt eine aktuelle Befragung in der Ernährungsindustrie in Deutschland. „Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass viele Unternehmen ihre Rolle innerhalb der PPWR noch nicht abschließend geklärt haben“, sagte Peter Feller, stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der deutschen Ernährungsindustrie und Mitglied im Beirat des Forum Ökologisch Verpacken (FÖV). „Bei den KMU gaben mehr als die Hälfte der Befragten an, dass dieser Prozess noch offen ist. Aber auch bei großen Unternehmen bestehen noch erhebliche Unsicherheiten.“
Für Martina Hörmer, Marketingstrategin für Bio & Nachhaltigkeit und Beirätin im Forum Ökologisch Verpacken, steht fest, dass die PPWR trotz Herausforderungen ein wichtiger Schritt in Richtung nachhaltiger Verpackungslösungen ist. „Die PPWR ist eine richtige und wichtige Initiative. Verpackungen recyclingfähiger zu machen, Verpackungsmaterial zu reduzieren und problematische Stoffe zu vermeiden, ist der richtige Weg“, erklärte Martina Hörmer. „Natürlich wird die Umsetzung am Anfang nicht immer einfach sein. Aber diese Anfangshürden sollten uns nicht davon abhalten, die positiven Ziele der PPWR konsequent umzusetzen.“
Endspurt bis August 2026. Der große Zuspruch zur Veranstaltung zeigte, dass die Branche die PPWR als zentrales Zukunftsthema erkannt hat. Der gemeinsame Tenor: Jetzt gehe es darum, die verbleibende Zeit intensiv zu nutzen, Prozesse aufzusetzen und Lösungen entlang der Lieferkette gemeinsam weiterzuentwickeln.