Markt und Wachstumserwartungen im Getränkesektor in Tschechien, Slowakei und Österreich
von Gernot Rath
Die Märkte in Tschechien, der Slowakei und Österreich spiegeln die Entwicklungen wider, die derzeit in vielen Teilen Europas zu beobachten sind. Während klassische Getränkesegmente wie Bier weiterhin eine wichtige Rolle spielen, gewinnen alkoholfreie Getränke in zahlreichen Kategorien an Bedeutung. Besonders gefragt sind Energy Drinks, RTD-Konzepte sowie alkoholfreie Bierangebote, die – gemäß den Daten von Statista Market Insights – in allen drei betrachteten Märkten weiteres Entwicklungspotenzial aufweisen, während die Werte alkoholischer Getränke rückläufig scheinen.
Dennoch zeigen die Märkte unterschiedliche Schwerpunkte. In Tschechien fallen insbesondere die hohen Konsumwerte bei alkoholischen Getränken und alkoholfreiem Bier auf. Die Slowakei verzeichnet überdurchschnittliche Werte im Segment der Energy Drinks, während Österreich vor allem bei RTD-Kaffee- und Teegetränken über dem europäischen Durchschnitt liegt.
Österreich im Detail. Für Österreich wird im Jahr 2025 ein Pro-Kopf-Konsum von 110 Litern alkoholischer Getränke prognostiziert. Damit liegt dieser Wert zwar unter dem tschechischen Wert von 155 Litern, aber dennoch über dem europäischen Durchschnitt von 73 Litern. Gleichzeitig erreicht das Volumen alkoholfreier Getränke 154 Liter pro Kopf und bleibt damit nur knapp unter dem Durchschnitt Europas.
Auffällig ist die starke Position von RTD-Kaffee- und Teegetränken. Mit 2,1 Litern pro Kopf liegt Österreich über der europäischen Gesamtbetrachtung und weist auch innerhalb der drei betrachteten Märkte den höchsten Wert auf. Der Konsum von Energy Drinks erreicht 9 Liter pro Kopf. Die Prognosen von Statista Market Insights deuten zudem auf weiteres Wachstum in dieser Getränkekategorie hin.
Tschechien im Detail. Tschechien zählt zu den konsumstärksten Märkten Europas. Für 2025 wird der Pro-Kopf-Konsum alkoholischer Getränke von Statista Market Insights auf rund 155 Liter geschätzt und liegt damit deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 73 Litern. Bei den alkoholfreien Getränken erreicht der Markt ein Volumen von 156 Litern pro Kopf und bewegt sich damit knapp unter dem europäischen Vergleichswert von 179 Litern.
Überdurchschnittlich entwickelt zeigen sich mehrere alkoholfreie Getränkesegmente. Der Konsum von Energy Drinks liegt mit 9 Litern pro Kopf über dem europäischen Durchschnitt von 6,4 Litern. Auch RTD-Kaffee- und Teegetränke erreichen mit 1,5 Litern pro Kopf einen höheren Wert als im europäischen Vergleich. Beim Mineralwasser wird bis 2030 ein Wachstum von rund 5 Prozent erwartet.
Slowakei im Detail. Die Slowakei gehört zu den Märkten mit einem besonders hohen Konsum alkoholfreier Getränke. Für 2025 wird ein Pro-Kopf-Volumen von 186 Litern erwartet und damit ein Wert oberhalb des europäischen Durchschnitts. Der Konsum alkoholischer Getränke liegt mit 78 Litern pro Kopf dagegen nur leicht über dem europäischen Vergleichswert.
Besonders dynamisch präsentiert sich die Kategorie Energy Drinks. Mit 12 Litern pro Kopf liegt der Konsum über dem europäischen Durchschnitt und zugleich deutlich über den Werten der Nachbarländer Tschechien und Österreich. RTD-Kaffee- und Teegetränke bewegen sich mit 1,22 Litern pro Kopf nahezu auf europäischem Niveau von 1,28 Litern. Darüber hinaus bleibt Mineralwasser relevant im Getränkemarkt: Das Pro-Kopf-Volumen liegt bei 68,9 Litern. Bis 2030 wird ein Wachstum von rund 7 Prozent prognostiziert.
Bier als „soziales Schmiermittel“. Auch alkoholfreie Angebote im Segment Bier gewinnen an Bedeutung. Der Pro-Kopf-Verbrauch alkoholfreier Biere lag im Jahr 2025 in Tschechien bei 11,6 Litern, in Österreich bei 3,5 Litern und in der Slowakei bei 2 Litern. Europaweit lag der Wert bei 2,7 Liter pro Kopf. Gleichzeitig bleiben alkoholhaltige Getränke weiterhin in allen drei Märkten stark verankert. Die steigenden Konsumzahlen bei alkoholfreien Bierangeboten zeigen jedoch, dass Verbraucherinnen und Verbraucher zunehmend zwischen unterschiedlichen Konsumanlässen und Getränkekategorien wechseln.
Analysen des rheingold Institut zeigen, dass dahinter mehr steckt als ein kurzfristiger Lifestyle-Trend. Viele Menschen konzentrierten sich in einer zunehmend unsicheren und schwer kontrollierbaren Welt stärker auf das, was sie selbst beeinflussen können: Gesundheit, Leistungsfähigkeit, Flexibilität und persönliche Stabilität. Das Institut beschreibt diese Entwicklung als den Versuch, sich in einer komplexen Realität möglichst stabil und handlungsfähig aufzustellen. Ein Anspruch, der auch die Getränkewirtschaft verändert.
Das Bedürfnis nach Gemeinschaft und dem Gefühl von Sicherheit wächst. Gerade deshalb bleiben Getränkesegmente wie Bier relevant. Bier steht für etwas Vertrautes. Für Handwerk, Herkunft und Tradition. In einer unsicheren, von technologischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Disruption geprägten Welt, gewinnt genau diese Bodenständigkeit wieder an Bedeutung.
„Biermarken eignen sich ideal dazu, Orte, Atmosphären und Stimmungen zu schaffen, an denen ein Gemeinschaftsgefühl erlebt und in den Mittelpunkt des Erlebnisses gestellt werden kann“, erklärte Institutsexperte Paul Bremer beim ersten Tourstopp der BrauBeviale meets Europe-Tour in Kopenhagen. „Biermarken und Gastronomie sollten Orte bieten, die ein Gefühl der Zusammengehörigkeit vermitteln.“
Wo die Getränkewirtschaft Antworten findet. „Wir erleben gerade sehr spannende Entwicklungen im Markt“, so Markus Kosak, Executive Director bei YONTEX GmbH & Co. KG. „Denn Verbraucherinnen und Verbraucher wollen leistungsfähig bleiben – möchten aber gleichzeitig auch gemeinsam genießen. Das bedeutet für unsere bestehenden, traditionsreichen Getränkesegmente – wie Bier –, dass sie weiterhin ihre Rolle im Markt festigen können. Gleichzeitig eröffnet der Wunsch nach Selbstoptimierung neue Chancen für Getränkehersteller. Unsere Aussteller haben das verstanden und zeigen Lösungen für alle Anforderungen der Branche in Europa.“
Das gesamte Messeprogramm der BrauBeviale 2026, die vom 10. bis 12. November 2026 in Nürnberg stattfindet, ist auf die Herausforderungen der europäischen Getränkewirtschaft ausgerichtet. Themen im Rahmenprogramm sind unter anderem neue Konsumgewohnheiten, alkoholfreie Konzepte, flexible Produktionsanforderungen sowie die Frage, wie Hersteller unterschiedliche Konsumanlässe wirtschaftlich bedienen können. Auf der Main Stage in Halle 9 spricht unter anderem Getränkeexperte Charles Nouwen, Peer to Beer, über die Rolle von Bier zwischen Tradition, Gemeinschaft und neuen Konsumgewohnheiten.
Ein regelmäßiger Blick auf die Website der BrauBeviale lohnt sich bereits jetzt: Die Aussteller- und Produktdatenbank ist online, weitere Informationen zum Rahmenprogramm werden laufend ergänzt und auch der Ticketshop für Besucherinnen und Besucher ist geöffnet.